Volta

 100 Linolschnitte in 100 Tagen

 

Der Ursprung meiner Werkreihe Volta liegt in einem Masken-Selfie von zwei Freunden, Birthe und Jupiter Junior, das mir zugeschickt wurde. Ich war dermaßen von dem Ausdruck der Masken fasziniert, das ich beschloss den ersten Linolschnitt danach anzufertigen.

Daraus entstand eine Portraitreihe aus Freunden, Masken und Persönlichkeiten, die mich beeindrucken. Mir wurde abers sehr schnell klar, dass diese Aufgabe ein Fass ohne Boden sein würde. So beschränkte ich mich auf die Ausführung von 100 Linolschnitten.

Zu sehen sind 100 Linoldrucke, die in einem Spannungsfeld zwischen Fiktion und Dokumentation liegen.

Meine nach Fotografien und Zeichnungen entstandenen Linolschnitte lassen persönliche Erfahrungen, Interpretationen oder Erinnerungen einfließen.

Der Name der Ausstellung bezieht sich auf das portugiesische Volta, was u.a. für Rückkehr, Runde, Revolution, Drehung, Wende, Umkehr oder Umweg steht. Zumal ich mit der ersten Protagonistin, Birthe, die Leidenschaft für den aus der Provence des 16. Jahrhundert stammenden Paartanz Volta teile.

Neben Portraits von Freunden und Persönlichkeiten der vergangenen und aktuellen Zeitgeschichte sind meine Darstellungen häufig durch einfache konzentrische Muster geprägt, die meine Motive umkeisen und somit als Momentaufnahme akzentuiert werden. Dabei habe ich mich vollkommen willkürlich für die Muster zum jeweiligen Portrait entschieden.

Durch die einfarbige Umsetzung sind hier präzise und puristische Werke in Kleinformat entstanden.

 

Marcus Günther

 


 

" Ein Mann bekommt eine Fotografie zugeschickt. Bei ihrer Betrachtung sieht er mehr, als die Abbildung zeigt. Ab diesem Moment übernimmt sein Instinkt. Fluch oder Segen - Das weiß er selber nicht. Das er nun tätig werden muss, das weiß er wohl. So funktioniert er. Immer Schon. Eine Getriebenheit, die nur Leidensgenossen verstehen. Und selbst unter Leidensgenossen sind die jeweiligen Impulse nur in peripheren Schnittmengen kommunizierbar. Am Ende steht man alleine mit der Aufgabe. So alleine, wie jeder einzelne heutige Betrachter des so Entstandenen.

Ein Mann begibt sich an die Arbeit. Und die Arbeit ist nicht der notwendige mechanische Akt der Umsetzung, sondern der dem vorausgegangenen Gedankenaustausch mit sich selbst. Immer wieder. Immer wieder aufs Neue.

Treue Begleiter in einer solchen Entstehungsphase sind uns alle vertraute Verwandte wie Euphorie, Zweifel, Wahn, Liebe und Schmerz.

Aus einem werden zwei, die Sonne geht auf, die Sonne geht unter, aus drei werden vier, aus vier werden hundert.

Ein Mann muss sein Raubtier kennen. Die Natur wird sich immer durchsetzen. Ruhephasen. Abstand gewinnen. Rastlos sein. Die Distanz verlieren. Ein Ende gibt es nicht.

In seinem Leben hat ein Mann vieles geschaffen. Vieles behauptet. Dieses Mal ruft er zuir Volta.

Ein Mann heißt Marcus Günther und ist mein Freund."

 

Jupiter Junior